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Grundidee der REGIONALEN

Seit 1997 verfügt die regionalisierte Strukturpolitik des Landes über das Instrument der REGIONALEN. Die Regionen des Landes können sich für die Durchführung einer REGIONALE bewerben, die Basis hierfür ist ein gemeinsam erarbeitetes Leitbild. Erhält eine Region den Zuschlag, werden die vorgeschlagenen Maßnahmen aus den bestehenden Förderprogrammen des Landes prioritär, aber zeitlich begrenzt, gefördert.

Die Projekte umfassen Maßnahmen im Bereich Städtebau, Umwelt, Wirtschaft, Kultur, Bildung und Wissen. Alle Projekte werden einem Wettbewerbsverfahren und einem intensiven Qualifizierungsprozess unterzogen. Zum Abschluss der jeweiligen REGIONALE, d.h. im Präsentationsjahr, werden die Projekte der Öffentlichkeit präsentiert. Als Vorbild für diese neue Form der projektorientierten, regionalen Zusammenarbeit diente die IBA Emscher Park.

 

Das Besondere der REGIONALEN

Bewerbung durch selbst definierte Regionen (Freiwilligkeit)

Die erste REGIONALE (2000) wurde noch aufgrund der fehlenden Zeit für eine Ausschreibung direkt an die Region Ost-Westfalen-Lippe vergeben; alle anderen Regionen mussten in der Folge ein Wettbewerbsverfahren durchlaufen. Zuletzt existierte ein zweistufiges Auswahlverfahren. In der ersten Stufe werden die Regionsbildung sowie die erarbeiteten Themenfelder und Ziele bewertet. Die in dieser ersten Stufe ausgewählten Kandidaten präsentieren im zweiten Schritt ihre regionalen Entwicklungsstrategien und erste Projektideen. Auf dieser Basis fällt die Entscheidung durch eine interdisziplinär besetzte Jury.


Die Abgrenzung der jeweiligen Region liegt bei den Städten und Gemeinden selbst. Teilweise gehen sie auf die Bildung der ZIN-Regionen Anfang der 1990er Jahre zurück oder sind sogar noch älter. In den bestehenden Kooperationsstrukturen hat häufig eine bereits etablierte regionale Institution die Federführung bei der Bewerbung übernommen.
Andere Regionen finden sich erst im Vorfeld der REGIONALE-Bewerbung zu einer Region zusammen. Sie entwickeln nach und nach neue Strukturen und Formen der Zusammenarbeit.


Projektorientierung und Bewerbung um Projektförderung im Wettbewerbsverfahren

Der Wettbewerbsgedanke spielt nicht nur bei der Auswahl der Region, sondern auch bei der Auswahl der Projekte auf regionaler Ebene eine Rolle. Nachdem eine REGIONALE-Agentur als Steuerungseinheit eingerichtet ist, erfolgt ein Aufruf zur Einreichung von Projektvorschlägen. Insgesamt haben die Initiatoren der REGIONALE, je nach Ausschreibungszeitpunkt, bis zu acht Jahre Zeit, Projekte auf den Weg zu bringen.

Im Idealfall sollte eine Mischung aus kleineren und größeren Projekten entstehen. Die Agentur hat die Aufgabe, Projektideen nach festgelegten Kriterien zu filtern und zu bündeln sowie die Projektträger hinsichtlich der Projektqualifizierung zu beraten. Danach folgt ein Qualifizierungsprozess, bei dem die Qualität (u. a. regionale Bedeutsamkeit, Modellhaftigkeit für die Lösung regionaler Probleme, Übertragbarkeit) und die Umsetzbarkeit der Projekte fortlaufend geprüft werden. Wenn die geforderten Qualitätskriterien erfüllt sind, werden die Projekte in die REGIONALE aufgenommen und erhalten eine bevorzugte Förderung aus vorhandenen Landes-, Bundes- und EU-Mitteln.

Innerhalb der Projekte können, je nach Themenfeld, weitere städtebauliche oder andere Wettbewerbs- bzw. Gutachterverfahren zum Zuge kommen. Dieser Ideenwettbewerb soll eine möglichst gute Lösung für eine bestimmte Aufgabenstellung liefern und eine hohe Qualität der Projekte sicherstellen.


Aufbau und Organisation


Die REGIONALE-Agentur wird als zentrale Steuerungseinheit vom Land und den Gebietskörperschaften finanziert. Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter begleiten und beraten die regionalen Akteure bei der Umsetzung der REGIONALEN.

Die Arbeit der Agentur wird von verschiedenen regionalen Gremien getragen. Die meisten REGIONALEN verfügen über Gremien, wie (Lenkungs-)Ausschuss und Beirat, die für die Qualitätssicherung und Qualifizierung der Projekte und Prozesse zuständig sind. Hier sind in der Regel die Landesverwaltung (Ministerien, Landschaftsverbände, Bezirksregierungen), die höchste Verwaltungsebene der Gebietskörperschaften und Repräsentanten regionaler Akteure (kommunalpolitische Repräsentanten, Wirtschaftsorganisationen, Sparkassen) vertreten. Darüber hinaus gibt es je nach Organisationsform der Agentur (z.B. als GmbH) ein Gremium (wie Aufsichtsrat), das die Geschäftsführung überwacht und zusätzliche Gremien (z.B. Innovations-Rat) die beratend tätig sind.


Die regelmäßige Abstimmung innerhalb der REGIONALE wird von REGIONALE-Beauftragten/ Koordinatoren der lokalen Gebietskörperschaften und teilweise von Partnern (Landschaftsverbände, Kammern, Sparkassen) der REGIONALE wahrgenommen.


Auf der Projektebene werden von den Projektträgern je nach Aufgabenstellung häufig eigenständige Gesellschaften gegründet. Diese können auch nach einer REGIONALEN weitergeführt werden. Andere Projekte gehen nach dem Präsentationsjahr der REGIONALEN in bereits bestehende Verwaltungs- und Unternehmensstrukturen über.

Schematische Organisationsstruktur der REGIONALEN
Die Abbildung zur Organisationsstruktur der REGIONALEN gibt die Strukturen der jeweiligen REGIONALEN sehr schematisiert und zusammenfassend wieder. Die einzelnen REGIONALEN unterscheiden sich in ihren Strukturen je nach Rechtsform der Agentur sowie in ihren offiziellen Gremien (Quelle: eig. Darstellung 2010).

Zeitliche Befristung und Präsentation

Innerhalb der Laufzeit einer REGIONALEN und des Präsentationsjahres arbeiten die Verantwortlichen an der Erreichung gemeinsamer Ziele. Die Befristung gibt der Agentur die Freiheit, neue Wege zu gehen und erleichtert innovative Lösungen jenseits der Zwänge des Alltagshandelns. Durch die Befristung kann die Wahrnehmung der REGIONALE als Konkurrenz zu bestehenden Entscheidungsstrukturen vermieden werden.

Finanzierung

Die Finanzierung von REGIONALE-Projekten erfolgt durch Mittelbündelung aus bestehenden Förderprogrammen der Landesregierung. Es existiert kein eigenes REGIONALE-Projektbudget, sondern REGIONALEN werden prioritär aus den Landesprogrammen gefördert. Hinzu kommen EU-Mittel, die vom Land und von den Trägern kofinanziert werden müssen. Die Projektträger sind häufig Kommunen; diese müssen einen Eigenanteil leisten. Bei einigen REGIONALEN gelang auch eine starke Einbeziehung von Wirtschaftsunternehmen, die mit eigenen Mitarbeitern und Mitteln Projekte umgesetzt oder sich an der Kofinanzierung beteiligt haben.


Fortsetzung der Kooperation


In den meisten Regionen, die eine REGIONALE durchgeführt haben, existieren in der Zeit danach weiterführende Kooperationsstrukturen. Damit ist ein wesentliches Ziel der REGIONALEN erreicht.

  • Die REGIONALE 2000 wurde durch die bereits bestehende OWL-Marketing GmbH organisiert, die heute das Ziel verfolgt, die Position von Ostwestfalen-Lippe im Standortwettbewerb der Regionen zu verbessern.
  • Im Bergischen Städtedreieck, das über bestehende interkommunalen Kooperationen verfügte, hat sich nach der REGIONALE die Bergische Entwicklungsagentur gebildet, die Teile der Arbeit der REGIONALE 2006 fortführt.
  • Bei den beiden grenzüberschreitenden REGIONALEN (2002 und 2008) wurden wichtige trinationale Projektnetzwerke geschaffen, die weiterhin existieren. Bei der EUROGA 2002plus ist dies die Straße der Gartenkunst zwischen Rhein und Maas, bei der EuRegionale 2008 z. B. Indeland, Grünmetropole und Vogelsang. Diese Projekte werden von verschiedenen Gebietskörperschaften getragen. Im Fall der ehemaligen NS-Ordensburg Vogelsang geschieht das auch über Staatsgrenzen hinweg; die Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens ist einer der Gesellschafter.
  • Bei der REGIONALE 2010 konnte an die bereits seit Anfang der 1990er Jahre bestehende Kooperation im Rahmen des Vereins Region Köln/Bonn und Nachbarn e.V. (heute: Region Köln/Bonn e. V.) angeknüpft werden. Der Verein wird außer von den Gebietskörperschaften von Sparkassen und Kammern getragen. Den Partnern der REGIONALE 2010 hat sich darüber hinaus der Rhein-Kreis-Neuss angeschlossen.

Die REGIONALEN schaffen, neben sichtbaren gebauten Ergebnissen, regionale Netzwerke, die auf gemeinsame Erfahrungen zurückgreifen können. Diese Erfahrungen beschränken sich nicht nur auf hochrangige Verwaltungsmitarbeiter und Politiker, sondern tragen auch zu einem besseren Austausch von Interessengruppen und Verantwortlichen auf der Projektebene bei.

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